2018 November 10 / 17:00
Round Table
Inge Hinterwaldner

Der Himmel faszinierte Kunstschaffende im 20. Jahrhundert nicht mehr nur als optisches Motiv, sondern zunehmend als etwas Gestaltbares bzw. als Ort der Gestaltung. Dadurch, dass die meisten der Arbeiten der Sky Art bzw. Space Art großflächig angelegt sind, konnotieren die Kunstschaffenden ihre Werke nicht selten im Rahmen einer Demokratisierung der Kunst, denn es genügt, den Blick gen Himmel zu richten, um sie rezipieren zu können. Weil sie aber mit Flugzeugen oder Raketen platziert werden müssen, liegt darin nichts Bescheidenes, sondern potenziell ein Politikum. Schwer erreichbaren Orten – die sich durch weitläufige Sichtbarkeit auszeichnen – einen eigenen Stempel aufzudrücken ist als territorialer Akt interpretierbar. Dass er dabei nicht rein symbolisch bleiben muss, zeigen Projekte, die dem Geo-Engineering nahestehen. Der Beitrag vergleicht künstlerische Arbeiten aus den 1960er bis 1980er Jahren mit zeitgenössischen Ansätzen, um Verschiebungen im politischen und ökologischen Denken darüber herauszustellen.


Inge Hinterwaldner ist derzeit Professorin für Kunst- und Bildgeschichte der Moderne und Gegenwart an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2009 promovierte sie an der Universität Basel über "Das systemische Bild" (Fink 2010, engl. 2017). Als Gastwissenschaftlerin verbrachte sie Forschungsaufenthalte am MECS/Lüneburg, an der Duke University/Durham und am MIT/Cambridge. Sie forscht über computerbasierte Kunst und Architektur, Verflechtungen von Kunst und Wissenschaft, Bild- und Modelltheorie.


Credits: Steve Poleskie flying his biplane in front of The World Trade Center Towers, New York 1978.