2018 November 10 / 17:00
Round Table
Dora Imhof

Inseln sind geografisch lokalisierbare Territorien. Zudem sind sie Vorstellungsräume, die ähnlich besetzt und metaphorisch aufgeladen sind wie der Wald oder die Alpen. Anders als in der Literatur wurden sie erst im 18. Jahrhundert vermehrt ein Thema in der Kunst. Die künstlerische Inselentdeckung fällt damit mit dem Beginn des Kolonialismus und Tourismus zusammen.

Von Anfang an standen die künstlerischen Beschäftigungen mit dem Thema im Spannungsfeld von Ideal, Utopie und realen gesellschaftlichen und ökonomischen Machtverhältnissen. Künstler wie Paul Gauguin auf Tahiti oder Walter Spies auf Bali befanden sich so immer in höchst ambivalenten Positionen. Zugleich werden Künstler_innen bis heute zur touristischen Vermarktung von Inseln eingesetzt.

Trotzdem bleiben Inseln in der Kunst weiterhin ein privilegierter Projektions- und Möglichkeitsraum für Utopien und Fiktionen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn ihr von Anfang an bildhafter, fiktionaler Charakter deutlich gemacht wird.

Ausgehend von Andreas Gurskys 2007 entstandenen Fotografien Dubai World I–III, werde ich Inseln als Territorien der zeitgenössischen Kunst untersuchen.

 

Dora Imhof ist Kunsthistorikerin und Kunstkritikerin. Seit 2011 ist sie Postdoc und Dozentin am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (gta), ETH Zürich. 2005 promovierte sie an der Universität Basel. Es folgten Assistenzen und Lehraufträge am Museum für Gegenwartskunst Basel und am Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich. Sie war Geschäftsführerin der Luma Stiftung und Projektmanagerin bei Ink Tree Editions. Zuletzt veröffentlichte sie Künstliche Inseln. Mythos, Moderne und Tourismus von Watteau bis Manrique (Berlin: De Gruyter, 2018), The Private Museum of the Future (Hg. mit Cristina Bechtler, New York: JRPÇ€Ringier, 2018) und Thinking the Contemporary Landscape (Hg. mit Christophe Girot, Princeton Architectural Press, 2016).


Credit: Andreas Gursky, Dubai World II, 2007, photography, 307 x 223,3 cm, VG-Bild-Kunst